
Ganz Bayern wartet auf ein politisches Erdbeben. Die Seit 50 Jahren allein regierende CSU wird unter 50 Prozent der Wählerstimmen rutschen, glaubt man den neuesten Umfragen verliert sie sogar die Mehrheit im Landesparlament. Der Wahlkampf der konservativen Partei war geprägt von größeren und kleineren Skandalen, echten Patzern. Sogar hier im Grenzstreifen ließen es sich CSU-Granden nicht nehmen, aktiv am Niedergang der Partei mitzuarbeiten: Der gescheiterte Oberbürgermeister-Kandidat in meiner Heimatstadt Schwandorf hat anscheinend einen zweistelligen Millionenbetrag ergaunert und über einen Dorfbürgermeister im angrenzenden Landkreis Cham lacht die ganze Republik.
Von der Schwäche der CSU profitieren vor allem die kleinen Parteien wie die Grünen oder die FDP, die beide Chancen auf zweistellige Ergebnisse haben. Die größte Überraschung dürfte jedoch das Ergebnis der Freien Wähler (FW) sein, einer Gruppierung die kommunalpolitisch seit Jahren stark verankert ist und nun ziemlich sicher den Sprung ins Landesparlament schaffen wird. Die FW sind keine Partei, sondern eine wertkonservative Wählergruppe, deren Spitzenkandidat schon mal die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien fordert.
Das Ende des politischen Status Quo in Bayern zeichnete sich bereits im März ab, als CSU-Bürgermeister reihenweise aus dem Amt gekippt wurden. Mitten im Bayerischen Wald wurde sogar offen homosexueller Sozialdemokrat Rathaus-Chef - Bayern ist doch liberaler, als nicht nur die Christdemokraten es für möglich gehalten hatten.
Der deutsche Fernsehsender Pro7 zeigt am 29. September eine Neuverfilmung des Antikriegsfilms Die Brücke.